SV Bayerbach AH – SV Waltershofen AH
1:3 (0:1)

Wo der Augenthaler das Licht der Welt erblickte und „Kaiser“ Franz dem Golfsport frönt, da kann’s bestimmt auch eine Tuniberger Altherrentruppe aushalten. Das dachte sich der Waltershofener Exil-Bayer Marco Müller bereits vor etlichen Monaten und scheute seitdem keine Kosten und Mühen um ein Freundschaftspiel gegen seinen Heimatverein SV Bayerbach/Rott im Landkreis Passau auf die Beine zu stellen. Und am vergangenen Wochenende war die Zeit dafür gekommen! Im Rahmen eines dreitägigen Ausflugs an die österreichische Grenze traten neun Gesandte des SVW, verstärkt durch vier einheimische Aushilfskräfte, gegen hoch motivierte Gastgeber aus dem idyllisch gelegenen Örtchen in Niederbayern an.
Die unmittelbare Vorbereitung auf die Partie musste dabei von Coach Frank Gutmann als suboptimal eingestuft werden. Hatte man doch die gesamte Mannschaft noch in den frühen Morgenstunden im Festzelt der Sportfreunde des benachbarten Reichenberg antreffen können und dies – in Anlehnung an die Vereinsfarben – mehr blau als weiß. Die sympathische Cover-Band Moose Impact sorgte dort für ausgelassene Stimmung, was den weit Gereisten nach einer achtstündigen Autofahrt willkommene Abwechslung bot. Bei süffigem Bier und exotischer Goaßmaß wollte man die verspannte Muskulatur regenerieren. Jedoch bedurfte es am Morgen des Spieltages in manchen Mannschaftsteilen der Regeneration von der Regeneration. Da kam ein gemeinsamer Spaziergang durchs sehenswerte Passau am Samstagmittag gerade recht. Zur Stärkung ein leichter Schweinsbraten mit Knödeln und a Hoibe für den Elektrolythaushalt, im Anschluss ein Mittagsschläfchen und zum Aufwachen ein doppelter Espresso. Pünktlich zum Matchbeginn um 18 Uhr zeigte sich das Team doch wieder in Bestform.
Gespielt wurde über den ganzen Platz. Nachdem die letzten Maßkrüge, Zigarettenkippen und Protagonisten des vorausgegangenen Gauditurniers vom Feld geräumt waren und Frank einen Karton gesponserten Hercherweins als Gastgeschenk an die Bayerbacher übergeben hatte, eröffnete der Schiedsrichter (in Personalunion mit dem Bürgermeister) das landesverbandsübergreifende Freundschaftsspiel. Albrecht Stiefvater als Goalie lieh sich noch schnell ein Käppi, um bei der tief stehenden Sonne den Überblick zu behalten, da nahmen seine Vorderleute schon das Heft in die Hand. Frank Gutmann und Frank Strohbach im Zentrum, Reini Glöckler und der „eingekaufte“ Andi Wagner außen, bildeten eine solide Viererkette, die am heutigen Abend nichts anbrennen lassen wollte. Vielmehr hatte man sich vorgenommen, das Spiel über die offensiven Flankenläufer Christoph Liesmann und Richard Mayer schnell ins vordere Drittel zu treiben, um dort den Sturmtank Marco Müller zu bedienen. In der Mitte bildeten Hannes Leistert und Thomas Rees ein Dreieck mit dem ebenfalls geliehenen Regisseur Thomas Nassauer, das schon bald in der Lage war, gut miteinander zu harmonieren. Nur zweimal 30 Minuten waren vereinbart, für die Blau-Weißen Grund genug, den Gashahn aufzudrehen. Mit einigermaßen sicheren Kombinationen im Mittelfeld dominierte man die in weiß-schwarz spielenden Platzherren und fand immer wieder den Weg Richtung Bayerbacher Strafraum. Alleine, zwingend waren die Aktionen noch nicht. Zu groß war wohl der Respekt vor dem angrenzenden Maisfeld, das einen Bälle schluckenden Eindruck erweckte. Außerdem zeigte sich die Defensive der Bayern lauf- und kampfstark und konnte die eine oder andere aussichtsreiche Situation rustikal entschärfen. Ein nicht einfach zu bespielender Gegner, zumal auch dieser vereinzelt Offensivgelegenheiten kreieren konnte. Nach etwa zwanzig gespielten Minuten war es aber Richard Mayer, der die Waltershofener für ihre Bemühungen belohnte. Achtzehn Meter vor dem Gehäuse legte er sich die Kugel zurecht, hauchte noch ein kurzes „Habe die Ehre!“ und schlenzte sie wunderbar zum 1:0 ins linke Eck. Ein Vorsprung, der nur noch durch einen scharf geschossenen Freistoß der Heimelf gefährdet wurde, dank toller Parade des leuchtgelben Albrecht aber bis zur Pause verteidigt werden konnte.
Die Halbzeitansprache entfiel, weil Konsens über das weitere Vorgehen herrschte. Für Durchgang zwei waren weitere Treffer in Planung. Alles andere wäre Understatement gewesen, bei dem offensiv geprägten Kader, den noch die beiden Bayernstürmer Matthias Bauer und Herrmann ergänzten. Die Gäste aus dem Breisgau nahmen also wieder Fahrt auf. Obwohl sich auch Bayerbach immer wieder vorwärts drängte, kontrollierten die Tuniberger das Geschehen und kamen wiederholt zu guten Gelegenheiten. Eckbälle und Freistöße hatten zwar Gefahrenpotenzial, brachten aber zunächst nichts Zählbares, weshalb eine Lösung aus dem Spiel heraus zum Erfolg verhelfen musste. Von der linken Seite einrückend setzte Thomas  aus gut zwanzig Metern zum Schuss an und schickte den Keeper in die lange Ecke. Ein niederbayrischer Abwehrrecke kreuzte die Flugbahn des Leders und fälschte zum unhaltbaren 2:0 ab. Ob der Unglücksrabe dabei mit der Schulter, der Stirn, dem Ohr oder gar dem Nasenbein agierte, ließ sich im Nachhinein nicht mehr schlüssig nachvollziehen. In der Folge erkämpften sich die Weiß-Schwarzen etwas mehr Spielanteile und kamen vermehrt zu Strafraumszenen vor dem Waltershofener Kasten. Die passende Antwort auf diese Entwicklung lieferte Hannes, der seinerseits von links in den gegenüber liegenden Strafraum eindribbelte und das Spielgerät mustergültig von der Grundlinie auf den Elfmeterpunkt servierte, von wo aus wiederum Thomas nur noch einschieben musste. Mit der komfortablen 3:0 Führung im Rücken schalteten die Blau-Weißen nun auf Ergebnissicherung um, was ihren Stürmer dazu veranlasste, phasenweise in den Stand-By-Modus zu wechseln. Die Schlussminuten der Partie gehört schließlich der Heimelf, die Innenverteidiger Frank S. dazu nötigte, einen Notwehr-Strafstoß zu verursachen, welchen der gut aufgelegte Torhüter Albrecht mit einer Dynamik parierte, die mit bloßem Auge gar nicht erkennbar war. Manche behaupteten hinterher, der Alupfosten habe geholfen. Nichtsdestotrotz gelang es den engagierten Freistaatlern noch, einen Ehrentreffer zu markieren, als sie kurz vor Schluss über die stärkere rechte Seite in den Torraum vordrangen und flach in die lange Ecke einnetzten.
Die Schlacht war geschlagen. Baden hatte Bayern besiegt und man konnte nun zum gemütlichen Teil übergehen, wobei dann auch die sportlich bedingte Rivalität einer gemeinsamen, Völker verbindenden Feierlaune weichen sollte. Im Bierzelt trugen bereits die Kesslbach Musikanten ihren Teil dazu bei. In beeindruckend lässiger Manier packten sie ihr gesamtes Gute-Laune-Sportplatzfest-Repertoire aus und sorgten für ausgelassene Fröhlichkeit an und auf den Tischen. Etwa zeitgleich mit der Umsiedlung vom zünftigen Bereich in die Bar, hatten es die Freiburger Schorleliebhaber dann geschafft, den Bayern ihr gesamtes Bier weg zu trinken. Gwambats Bergschof, dann mussten eben die härteren Sachen auf den Tisch. Die Party war in vollem Gange und gab zahlreichen Akteuren Gelegenheit, sich zu extrovertieren. Es wurde getanzt und gesungen, posiert und fotografiert, gelacht und gefeiert. Für alle Mitgereisten war das ein würdiger Abschluss einer prächtigen Auswärtsfahrt, die trotz der gefühlt endlosen Rückreise am Folgetag in toller Erinnerung bleiben wird.
Besonderer Dank für das gelungene Wochenende gilt zuallererst dem Organisator Marco, der einen überragenden Job als Manager und Reiseleiter gemacht hat. Des Weiteren geht ein ganz herzlicher Dank an die Gastgeber aus Bayerbach, die durch ihre Unterstützung ein Großfeldspiel möglich machten und mit ihrem Sportfest für einen stimmungsvollen Rahmen sorgten. Vielen Dank auch an Kilian Dettinger, der der Reisegruppe ein Fahrzeug zur Verfügung stellte.

Aufstellung:
A.Stiefvater
R.Glöckler, F.Gutmann, F.Strohbach, A.Wagner
R.Mayer, H.Leistert, Th.Rees, Ch.Liesmann
M.Müller, M.Bauer, Th.Nassauer, Herrmann
Torschützen: R.Mayer, Th. Rees (2)

Hier gibt’s jede Menge Bilder vom Ausflug.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.